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Endlich wieder Kultur. Buchpremiere in Frankfurt (Oder)

Thomas Bruhn, Rita König, Carmen Winter und Till Sailer (v.l.n.r.)

Foto (c) Elke Lang

27. Mai 2021

von Malou Berlin

Der Regenbogen über der Oder kündigte einen besonderen Abend an. Das zeigte sich auch daran, dass die Menschen bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Lesung in Richtung Kleist-Museum schlenderten. Die Blicke begegneten sich, fast immer mit einem erwartungsvollen Lächeln. Vorfreude lag in der Luft.

„Endlich“, hörte ich im Foyer zum ersten, doch nicht zum letzten Mal an diesem Abend, „endlich wieder Kultur.“

Nach und nach setzten sich die 30 angemeldeten Gäste auf die Stühle in Corona-gerechtem Abstand. Carmen Winter, die Vorsitzende des nun 30-jährigen Brandenburger Verbandes der Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), eröffnete die Buchpremiere mit einer kurzen Vorstellung der zum Jubiläum erschienenen Anthologie Hier ist herrlich arbeiten. Begegnungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Brandenburg. Das in Halbleinen gebundene Buch versammelt Prosa und Lyrik von 18 Autorinnen und 14 Autoren sowie Grafiken von sechs Brandenburger Künstler*innen.

Till Sailer, Vorstandsmitglied des VS Brandenburg, erinnerte an die ständigen Veränderungen in diesem „eiligen Jahr“ der Wendezeit. Außer ihm und Carmen Winter saß eine weitere Herausgeberin des Bandes, Rita König, auf der Bühne, und mit Thomas Bruhn ein weiteres Vorstandsmitglied.

Autor*en sind oftmals ein scheues Völkchen, das lieber in aller Stille schreibt als vor Publikum aufzutreten, doch diese vier überzeugten durch wunderbar akzentuiertes Vorlesen ihrer eigenen und anderer Texte. Ich lehnte mich zurück und ließ mich von Jana Frankes Geschichte in eine Demonstration der Vorwendezeit versetzen und von Vera Kissels Gedicht berühren. Rita König erinnerte in ihrem Text Von ABV bis Zuckerrübenernte an die beinah verschwundenen Begriffe ihrer Kindheit und Jugend und ist entschlossen, sie in ihren heutigen Geschichten zu bewahren. Auch Carmen Winter und Matthias Körner spannten in ihren Beiträgen einen Bogen zwischen den letzten Jahren der DDR und heute und regten, wie auch die anderen vorgetragenen Texte, zum weiteren Nachdenken an.

Zwischen den Lesungen genoss ich die Cello-Soli, die Regine Daniels-Stoll spielte: Britten, Bach und Amanti.

Endlich wieder Kultur.

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