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Bossa Nova in der Sofaecke. Bibliothek Stahnsdorf

Christian Pross, Vera Kissel, Reinhard Stöckel, Reglindis Rauca, Christiane Golz (v.l.n.r)

Foto (c) Anne Koepke

18. November 2021

von Reinhard Stöckel

Dunkel war es und regnerisch, als wir von Cottbus kommend an diesem Novembernachmittag südlich von Berlin in ein Labyrinth aus Schnell- und Ortsumgehungsstraßen gerieten. Unverdrossen führte uns unser elektronischer Navigator, trotz verpasster Abfahrten schließlich doch zum Ziel. Und wieder einmal stellte ich meiner Begleiterin die rhetorische Frage: Wie haben wir früher sowas bloß geschafft, ohne Navi? 

Vielleicht auch mit papiernen Hinweisen, wie solche am Eingang zum Stahnsdorfer Gemeinamt: ein dicker roter Pfeil und der gute Rat zur Bibliothek, den Hintereingang zu benutzen. An der Hintereingangstür noch mehr Zettel: Kein Eingang! Öffnungszeiten Bibliothek. Einlass nur zu vollen Stunde!  – Man ließ uns trotzdem ein. Dann standen wir in der kleinen und gemütlichen Gemeindebibliothek, die liebevoll eingerichtet mit einer Sofaecke zum Verweilen und Lesen einlädt.  Es scheint, dass der „Bücherbaum“, der das Logo der Bibliothek ziert, von den beiden Bibliothekarinnen, Frau Golz und Frau Koepke engagiert gepflegt wird. Davon zeugen auch ihre Social-Media-Aktivitäten und vorallem die monatlichen „Geschichten aus der Sofaecke“.

Für den Novembertermin hatte uns Reglindis Rauca dieses Leseplätzchen vermittelt, um dort gemeinsam mit Vera Kissel und mir die Geburtstagsanthologie des VS vorzustellen. Im Sitzungssaal der Gemeindevertreter, wo die Veranstaltung an diesem Abend stattfinden sollte, stand schon ein Weihnachtsbaum und der Musiker, Christian Pross, war dabei seine Beiträge technisch vorzubereiten.

Nach und nach füllte sich der für uns separierte Teil des Saales mit gut 20 Gästen, Frau Golz begrüßte alle freundlich und stellte uns kenntnisreich vor. Und dann, sollte jemand noch mit Novemberblues im Gemüt angekommen sein, vertrieb den Christian Pross mit dem „Girl From Ipanema“

Wie gute Tradition auf dieser Lesereise, lasen wir neben den eigenen Texten, auch die von anderen Kolleginnen und Kollegen, die in der Anthologie vertreten sind. Zwischendurch wieder Saxophon- und Gitarrenklänge – und einmal sogar mittendrin, nein, Christian Pross saß still auf seinem Stuhl. Das kam von draußen aus dem Gang, leise Musik und Türenklappen. Nachdem Frau Golz kurz dorthin verschwunden war, trat Ruhe ein. Hinterher erfuhren wir, es war die Putzfrau gewesen. Nun, sagte Frau Golz sinngemäß, man muss halt ein bisschen Klappern, dann wird die eigene Arbeit umso besser wahrgenommen. Vielleicht, so meinte jemand, hat ja der Bürgermeister in seinem Büro die Stimmen und den Bossa Nova aus der Sofaecke vernommen und gedacht: Sieh da, sieh da, die Bibliothek! Ist doch gut, dass wir sie haben. Frau Golz jedenfalls befand, der Abend sei ein schöner Abschluss ihrer diesjährigen Lesereihe gewesen. Und auch die Gäste machten sich offenbar zufrieden und angeregt auf den Heimweg in die Novembernacht hinaus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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