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Henryk Bereska als Fährmann deutsch-polnischer Übersetzungen: Die beiden Fahrten des Poetendampfers im Mai 2026

 (c) Jan Borchert

16. Juli 2026

von Dr. Friederike Frach
Brandenburgischer Literaturrat e.V.

Am 17.05.2026 wurde die Oder nicht nur zum Schauplatz einer literarischen Begegnung, sondern auch zu einem bewegten Erinnerungsraum: Mit den zwei Fahrten des Poetendampfers zwischen Frankfurt (Oder) und Słubice griff das Projekt die Idee des deutsch-polnischen Austauschs auf ganz unmittelbare Weise auf. An Bord eines Charterboots mit Platz für bis zu 30 Personen kamen Autorinnen und Autoren aus Deutschland und Polen mit ihren Texten, ihren Perspektiven und dem Publikum ins Gespräch. Um 11 Uhr lasen Krzysztof Fedorowicz (Polen), Björn Kern (Deutschland) und Maria Sidorska-Ryczkowska (Polen); um 18 Uhr waren Uwe Rada (Deutschland) und Carmen Winter (Deutschland) zu erleben. Außerdem konnte Maria Sidorska-Ryczkowska einen weiteren Text vorstellen, da sie für den erkrankten Artur Daniel Liskowacki (Polen) einsprang. Alle literarischen Beiträge hatten „Oder“ bzw. „Fluss“ zum Thema.

Besonders eindrucksvoll war die zweisprachige Lesung eines Gedichtes Henryk Bereskas. Sie machte noch einmal deutlich, wie eng sein Werk mit der literarischen Vermittlung zwischen Polen und Deutschland verbunden ist. Bereska war neben Karl Dedecius einer der wichtigsten Übersetzer polnischer Literatur in Deutschland. Mit seinen zahlreichen Übertragungen trug er dazu bei, Stimmen wie Zbigniew Herbert, Tadeusz Różewicz oder Adam Zagajewski einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen.

Die beiden Fahrten rahmten die Feierlichkeiten zu Bereskas 100. Geburtstag im Collegium Polonicum auf gelungene Weise ein. Gleichzeitig verliehen sie dem Gedenken eine lebendige Form: Literatur wurde hier nicht nur gelesen, sondern gemeinsam erlebt – auf dem Wasser, im Grenzraum, mitten zwischen zwei Städten und zwei Kulturen.
Moderiert wurden die Lesungen von Prof. Dr. Marta Bąkiewicz und Dr. Wolfgang de Bruyn, während Dr. Ilona Czechowska und Dr. Friederike Frach die literarischen Übersetzungen vortrugen. So entstand ein vielseitiges Programm, das den Dialog zwischen den Sprachen und Literaturen sichtbar machte.

Das Projekt zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, kulturellen Austausch in der Grenzregion weiter zu pflegen. Es erinnerte an Henryk Bereskas Wirken und zeigte zugleich, dass seine Arbeit bis heute Brücken schlägt.

Gefördert vom Klein-Projekte-Fonds der Euroregion PRO EUROPA VIADRINA

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