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Herrliches Arbeiten in Bad Saarow

Astrid Böger und Wolf D. Hartmann 

Foto (c) Elke Lang

05. August 2021

von Till Sailer

Regenwahrscheinlichkeit: siebzig Prozent. Unsere Lesung sollte im Freien stattfinden. Zittern bis zur letzten Minute. Aber dann ging alles gut los. Im Innenhof der Saarower Gemeindebibliothek lauschten etwa 25 aufgeschlossene Zuhörer dem Vortrag von Astrid Böger (Beeskow), Wolf D. Hartmann (Bad Saarow) und mir, Till Sailer (ebenfalls Bad Saarow), dem Moderator. Zur Einführung ging ich auf den Titel der Anthologie ein, der einem Brief von Friedrich Wolf entstammt und der in dem Beitrag von Heinrich Bleicher-Nagelsmann dokumentarisch eingeführt wird. Unser Partner, der  Förderverein „Kurort Bad Saarow“ e.V., der die Lesung engagiert begleitete, konnte eine neue Tonanlage einsetzen, so dass, trotz großräumigem Innenhof, keine Hörprobleme auftraten.

Wir hatten sieben Texte ausgewählt, drei davon Eigenbeiträge der Vortragenden. Es ergab sich, dass wir mit einem Block begannen, in dem es um die Wendejahre 1989/90 ging. Dazu passte u.a. der „Gastbeitrag“ von Ulrike Liedtke, der Brandenburger Landtagspräsidentin, den Astrid sehr überzeugend darbieten konnte. Im Anschluss entschied ich mich für Erhard Scherners bewegenden Text „Heimat, deine Sterne“  um zwei Opfer des Nationalsozialismus. Wie sich zeigte, war das keine leichte Aufgabe. Eigentlich müssen vor allem die Zuhörer emotional betroffen sein, nicht der Vorleser. Aber ich war selbst ergriffen und erreichte sozusagen den Schluss „mit Müh und Not“. Danach sah ich mich außerstande, gleich wieder den kühlen Moderator zu spielen. Wolf, mein Kollege und Fast-Nachbar, sprang beherzt ein. Er übernahm nicht nur die Moderation, sondern er modifizierte auch den geplanten Ablauf. Sein Vortrag der humorvollen Geschichte „Hottas Welt“ von Matthias Körner gelang an diesem Abend besonders gut. Die Abfolge erschien ein bisschen so wie der bewährte Kontrast von Tragödie und Komödie.

Am Rande sei erwähnt, dass die Nachricht, die Anthologie sei nahezu vergriffen, Wunder wirkte. Sechs Bücher konnten verkauft werden.

Den Abschluss der Lesung bildete der Beitrag „Abschied“, eine Hommage von Carmen Winter an den in Brandenburg geschätzten Schriftsteller Hans Weber. Ich konnte dazu anmerken, dass ich einst, gemeinsam mit gestandenen Autoren wie Preißler, Weber und Nauschütz, die „Schreibenden Schüler“ in Workshops angeleitet hatte und dass uns damals ein junges Mädchen aufgefallen war, eben jene Carmen, die heute erfolgreich als Vorsitzende unseres Landesverbandes agiert.

Ein abschließendes Gespräch kam wider Erwarten zustande. Die hintergründige Frage eines Zuhörers, des Schriftstellers Jürgen Leskin, ob es denn in unserer Anthologie nicht nur um „Liebe und Tod“, sondern auch um „Krieg und Frieden“ gehe, bescherte dem Moderator kurzzeitig „stürmische See“. Aber mit Hilfe meiner Mitstreiter gelang es, befriedigend zu antworten, ohne die Diskussion ins Uferlose abtriften zu lassen. Schließlich können in einer Geburtstagsgabe nicht alle Probleme der Welt abgehandelt werden.

Die Rückmeldungen im Anschluss waren überwiegend positiv. Und, was nicht gering zu schätzen ist, das Wetter blieb stabil.

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